HostDream... ein zweites Uberspace?

Vor nicht mal einem halben Jahr ist ein neuer Hoster namens HostDream.de gestartet, der auf das gleiche Modell wie Uberspace.de setzt, dabei aber nach Aussage des Betreibers „auch für Anfänger und Unerfahrene geeignet ist“. Dies soll daran liegen, dass ein Control Panel zum Einsatz kommt, während Uberspace sich (und das ist schon durchaus zutreffend) durch das Setzen auf SSH-Zugang & Shell an Linux-Profis (und jene, die es werden wollen) richtet.

Das Konzept

uberspace<em>startseite hostdream</em>startseite

Der Startseite und den Texten sieht man an, dass HostDream sich eindeutig hat von Uberspace inspirieren lassen. Das zeigt schon ein Vergleich der beiden Startseiten.

Uberspace existiert nun schon seit über drei Jahren und hat sich etabliert. HostDream muss sich nun dagegen behaupten. Ich bin sehr gespannt, wie sich beide Dienste entwickeln werden.

Das Konzept für sich zu übernehmen und die Philosophie zu teilen, wenn HostDream es denn genauso ehrlich meint wie Uberspace, halte ich für eine wirklich gute Sache.

Wie ich das meine? Ich sehe sehr gerne mehr Dienste dieser Art und finde es absolut nicht verkehrt, sich an Uberspace zu orientieren. Es muss auch ganz klar gesagt werden, dass sich Uberspace (zumindest meiner Meinung nach) nicht durch den Preis oder die Spezifikation der Server differenziert, sondern hauptsächlich durch den Support und die damit verbundene Philosophie (Link geht zu sehr lesenswerten Wiki-Einträgen): Die schnellen, hilfreichen, ausführlichen & freundlichen Support-Antworten vom Uberspace-Chef persönlich, das sauber gepflegte Wiki, der einwandfreie Zustand der Server und so weiter sprechen hier eine ganz eindeutige Sprache…

Wo ist das Wiki von HostDream? Wie gut ist der Support? Das muss sich alles jetzt noch zeigen.

Der Mindestpreis

Ebenfalls ist der Mindestpreis von 1€, der Fest zum Konzept gehört, bei beiden gleich. Der Text über den Wunschpreis liest sich sogar identisch.

Uberspace:

„Wenn du absolut keine Vorstellung hast, wieviel du vernünftigerweise für deinen Uberspace zahlen könntest, schlagen wir dir vor, einen Betrag zwischen 5 und 10 Euro monatlich zu wählen. Damit bewegst du dich in einem Bereich, in dem andere Anbieterbeginnen, Pakete mit vergleichbarer Ausstattung zu schnüren.“

Hostdream:

„Wenn Du dir unsicher bist, was ein angemessener Preis für Deinen Hostdream-Webspace ist, wollen wir dir hier ein paar Anhaltspunkte geben. Zu aller erst: wir würden es uns wünschen, wenn Du einen Preis zwischen 5 und 10 Euro pro Monat wählst. In diesem Bereich fangen nämlich die Preise bei anderen Anbieter für vergleichbare Ausstattung.“

Die Unterschiede im Detail – Was mir sofort auffällt

Der Wunschpreis

Uberspace setzt stark auf Transparenz und führt deswegen ziemlich ausführlich aus, welche Kosten ihnen entstehen, wie sich der Preis zusammensetzt und weitere interessante Hintergründe zu der Preisgestaltung solcher Angebote ganz allgemein.

HostDream verliert hier deutlich weniger Worte (Link zu WaybackMachine, falls das doch nochmal angepasst wird), wie sie gerade auf die gewünschten 5 bis 10 Euro kommen. Sie wünschen es sich und gut… Transparenz geht anders.

Ich glaube zwar nicht, dass HostDream hier bedeutend andere Kosten hat. Nett wäre es trotzdem gewesen, etwas ausführlicher zu werden, wenn man schon seine Wünsche äußert.

Pflicht zur Angabe der E-Mail-Adresse

Uberspace möchte einzig und alleine einen Nutzernamen sowie ein Passwort für den Uberspace wissen. Generell finde ich, dass mehr zur Anlage von Nutzer-Accounts nirgendswo erforderlich sein sollte. Datensparsamkeit ist hier angesagt.

HostDream ist hier neugieriger und verlangt die Angabe einer E-Mail-Adresse, die zudem (wie üblich) über einen zugemailten Link bestätigt werden muss. Die Begründung: „So können wir überprüfen, ob Du echt und kein Programm bist.“. Das ist allerdings Unsinn, weil es genau aus diesem Grunde ja Captchas gibt und sehr wohl auch Robots Mails automatisch verarbeiten und somit massenhaft Accounts anlegen können. Also frage ich mich schon, was die damit vorhaben (Stichwort „Transparenz“).

Support

Wie man meinen Beiträgen schon öfter angemerkt hat, bin ich persönlich sehr angetan von dem Support, den mir Jonas Pasche (Uberspace, Link geht zum sehr lesenswerten Blog) & Team trotz kostenlosem Probe-Monat schon haben zukommen lassen. Hier versprechen die Jungs nicht zu viel:

„Deshalb unterstützen wir dich so, wie wir Freunde unterstützen: Wir reagieren zügig; wir bringen nicht nur in Ordnung, sondern erklären auch; wir schauen über den Tellerrand hinaus und unterstützen dich nicht nur, soweit der Vertrag es vorsieht, sondern soweit unser Wissen reicht.“

Genau diese Erfahrung habe ich (selbst an Feiertagen!) bisher machen dürfen. Entwarnung: Dabei handelte es sich nie um technische Probleme des Uberspaces, sondern immer nur um… sagen wir mal… „Verständnisprobleme technischer Natur“ g. Das sorgt natürlich für großes Vertrauen, weshalb ich trotz eigenem VServer die wirklich wichtigen Sachen wie E-Mails, RSS Feeds & mein neuer Blog – also Dinge, die einfach unter keinen Umständen ausfallen dürfen – nur echten Experten Jonas & Team überlassen kann und will.

Bei HostDream ist die Support-Seite ähnlich wie die Preis-Seite auch knapper gehalten. Es existiert ein Kontakt-Formular sowie die Angabe von E-Mail-Adresse & Twitter. Vollmundig versprochen wie bei Uberspace wird hier nichts. Für Kundenmeinungen wird auf eine Trustpilot-Seite verwiesen. Interessant ist dabei die Bemerkung, dass Uberspace genau darauf aus Gründen (Link!) gerne verzichtet.

Bei HostDream habe ich bisher nur in Foren gelesen, dass die Antworten zwar auch zügig kommen, doch eher knapp sein sollen. In meinem Fall wurde mir auch an einem Sonntag innerhalb von 8 Stunden eine knappe Antwort geschickt. Darüber kann ich mich nicht beklagen.

Die ersten Eindrücke nach der Anmeldung

Technische Mängel: Festgelegtes Passwort spielt keine Rolle

Kurz nach der Anmeldung erhalte ich eine Mail mit einem neu generierten Passwort für den Login in den Kundenbereich. Da frage ich mich schon, wozu ich bei der Account-Erstellung eines angeben musste. Das ist ein Indiz für Kinderkrankheiten des neuen Systems.

Guthaben auflanden

hostdream_guthaben

Das Prinzip auf Guthabens-Basis zu arbeiten, wurde ebenfalls von Uberspace übernommen. Dabei erlaubt man zusätzlich noch PayPal & Sofortüberweisung. Allerdings sieht man das mit der Datensparsamkeit nicht so eng wie bei Uberspace, sondern verlangt selbst bei einer Überweisung vorher den vollständigen Namen & Anschrift.

Es ist ja nicht so, dass (nicht zuletzt wegen der Impressumspflicht) meine Anschrift ein großartiges Geheimnis wäre. Doch kann ich für mich ganz klar sagen: Neugierde weckt Misstrauen! Wenn jemand Daten einsammelt, die er nicht wirklich benötigt, sehe ich das immer kritisch. Gerade in der heutigen Zeit!

Dass dies für den Fall gemacht wird, falls ich im strafrechtlichen Sinne mit den Servern Mist baue, lasse ich nicht gelten: Die haben meine IP und die Staatsanwaltschaft kann meine Daten ermitteln.

Vorauswahl des Wunschpreises

Es mag nur eine Kleinigkeit sein, aber das sagt mir schon vieles: Wenn ich auf „Wunschpreis festlegen“ gehe, sind die 5€ bei Hostdream bereits vorauswählt. Bei Uberspace steht dies bei einem Euro, also dem Mindespreis. Da stellt sich mir schon die Frage, wie ehrlich das mit dem „Wunschpreis“ gemeint ist und ob hier wirklich die Philosophie geteilt wird.

Keine Hilfs-Dokumente

Ich hätte jetzt spätestens nach dem Login erwartet, zu weiteren Hilfs-Seiten geführt zu werden. Es scheint aber kein Wiki oder so etwas zu geben. Lediglich eine FAQ auf der Hauptseite, auf der 12 Fragen knapp beantwortet werden. Dokumentation sieht anders aus.

LiveConfig

hostdream_liveconfig

Ich wollte einen Space, der „stefan“ heißt – so wie Uberspace das auch ermöglicht. Stattdessen bin ich jetzt irgendwie k4711 und habe meine Daten in /var/www/k4711-1 liegen. Ich bin also nur noch eine Nummer… Dafür stimmt wenigstens die Subdomain http://stefan.server.febas.net/ .

Mein „Hosting-Angebot“ ist laut der Statistik nur „MEDIUM“? Ich weiß nicht, was das bedeuten soll. Wahrscheinlich, weil das Unternehmen unter einer anderen Firma noch Geschäftskunden hat. Es wirkt aber lieblos.

hostdream_wordpress

Mir persönlich gefallen solche Oberflächen nicht. Ich muss mich da immer erneut Reindenken, während eine Shell mir vertrauter vorkommt. Gleichzeitig ist das auch gar nicht mal so bedienerfreundlich. Mein erster Versuch WordPress anzulegen scheitert daran, dass ich erst einen serverweit eindeutigen Namen finden muss.

Aber gut: Es bleibt das Herumwerkeln an Konfigurationsdateien erspart und es gibt da schon eine Reihe von Apps, die man schnell ohne Vorkenntnisse installieren kann. Das sind Drupal, Gallery, Joomla, MediaWiki, Roundcube, Typo3, WordPress, modified Shop (?), ownCloud & phpMyAdmin.

liveconfig_frage

Aber grundsätzlich einfacher sind solche Control Panels nicht: Wer kann mir sagen, was die Einstellung im Screenshot bewirkt? 😀

SSH-Zugang

Bei Uberspace gehört dieser standardmäßig dazu.

HostDream schaltet einen SSH-Zugang nur auf Anfrage frei. Nach Auskunft des Betreibers gehört dieser Zugang nicht zum Konzept, da seine Kunden diesen nicht benötigen. Wer diesen braucht oder für sinnvoll erachtet, wird ihn erhalten.

PHP Benchmark

Ich weiß, ich weiß… Es ist kein richtiger Benchmark, aber ich mag das Skript, welches ich in einem vorherigen Post schon mal vorgestellt habe, nun mal:

Hostdream:

--------------------------------------
|        PHP BENCHMARK SCRIPT        |
--------------------------------------
Start : 2014-10-12 10:48:15  
Server : server.febas.net@88.198.181.101  
PHP version : 5.4.4-14+deb7u14  
Platform : Linux  
--------------------------------------
test_math                 : 1.749 sec.  
test_stringmanipulation   : 1.654 sec.  
test_loops                : 1.083 sec.  
test_ifelse               : 0.929 sec.  
--------------------------------------
Total time:               : 5.415 sec.  

Uberspace:

--------------------------------------
|        PHP BENCHMARK SCRIPT        |
--------------------------------------
Start : 2014-10-12 10:49:22  
Server : kaus.uberspace.de@185.26.156.16  
PHP version : 5.5.10  
Platform : Linux  
--------------------------------------
test_math                 : 1.619 sec.  
test_stringmanipulation   : 1.713 sec.  
test_loops                : 0.845 sec.  
test_ifelse               : 0.931 sec.  
--------------------------------------
Total time:               : 5.108 sec.  

Die Server sind technisch offensichtlich auf dem gleichen Level (kleinere Werte sind besser!). Hier lässt sich jetzt nicht direkt ein Unterschied feststellen.

Randbemerkung: Wer deutlich mehr Power benötigt, dem empfehle ich eine linevast Linux VPS Starter (25€/Jahr – Link zum Angebot, PHP-Benchmark: nur 3 Sekunden), die ungefähr doppelt so schnell ist. Das ist dann allerdings kein managed server mehr!

Mit offenen Karten spielen

In dem Beitrag Falsche Freunde: Wie man SEO nicht macht aus dem Blog von Jonas Pasche (Uberspace-Chef) habe ich den Eindruck gewonnen, dass er ein sehr ehrlicher Mensch ist und mit offenen Karten spielt. Das verdient größten Respekt!

Und das sage ich aus Überzeugung. Ich bin mit Uberspace außer als normaler User in keiner Weise verbunden. Ganz anders sieht es hier aus (die Impressums-Pflicht macht es möglich):

Im Blog von Roman Baumgärtner steht dieser Artikel:
http://www.yourwebmedia.de/blog/1144-hostdream-hosting-zum-wunschpreis.html :

„Der neue Provider Hostdream will für eine Revolution im Hosting-Sektor sorgen und erregt mit einem neuen Konzept Aufsehen, denn die Kunden können den Preis hier selbst festlegen und zahlen nur so viel wie sie selbst vorgeben.“

Ein neues Konzept? Eine Revolution? Kein Wort von Uberspace? Klingt ein bisschen verdächtig…

Ein Blick ins Impressum schafft Klarheit:

Es ist seine neue Firma, über die der Autor blogt.

Klar kann er gerne Werbung für seine neue Firma machen; würde ich auch tun. Aber die Art wie er seltsam distanziert schreibt, ist mir schon etwas suspekt. Wenn man den Blog von Jonas liest, versteht man, was ich meine.

Fazit

Hier wird das Erfolgskonzept für Uberspace eher halbherzig übernommen. Es wurden einzelne Besonderheiten wie der Wunschpreis und das Arbeiten auf Guthabensbasis zwar nachgemacht, doch scheint man nicht dieselbe Philosophie zu teilen. Das ist sehr schade, da gerade dies Uberspace so stark macht.

Sie setzen Grunde auf Apples Erfolgskonzept: Uberspace verkauft kein Produkt, sondern eine Idee. Für ein Produkt guckt man genauer auf Preis-Leistungs-Verhältnisse, bei Ideen will man hingegen Teil davon sein. Wer den großartigen TEDTalk von Simon Sinek zu diesem Thema kennt, wird wissen, was ich meine. (Wer ihn nicht kennt, sollte ihn sich mal anschauen.)

Bei Uberspace äußerte sich das bei mir so: Vorschläge werden ernst genommen und in Meetings besprochen – danach gibt es ein ausführliches und nachvollziehbares Feedback, ob man oder ob man nicht (und warum) den Vorschlag umsetzen wird. Dabei sind die Betreiber spürbar immer daran interessiert, ihre Systeme bestmöglich auszustatten ohne dabei zu komplex zu werden. In meinem Fall wurde der Vorschlag abgelehnt, weil er nicht praktikabel war – mir war aber erst nach der freundlichen Mail vom Chef Jonas Pasche persönlich klar, welche Aspekte ich dabei nicht bedacht hatte. Das ist Kundenbindung.

Das alles sehe ich bei HostDream aktuell so (noch) nicht… Aber der Laden ist noch neu, kann lernen und wir werden sehen.

TL;DR

Uberspace ist und bleibt Nummer 1! Ihr seit große Klasse, Jungs! 🙂