Mein Eindruck vom neuen Raspberry Pi 2

Ja, nun habe ich auch einen. Ich habe das Erscheinen des neuen Raspberry Pi in seiner zweiten Auflage (kurz „RasPi 2“) zum Anlass genommen, mir auch eine zuzulegen – nachdem meine Kollegen auch fast alle schon die Vorversion besitzen. Irgendwie ging man davon aus, dass ich „natürlich“ auch schon einen hätte. Ist wohl jetzt sowas wie ein Standard. Also habe ich mir schnell auch einen gekauft. 😀

Raspian & Minibian

Die offizielle Standard-Distribution Raspian sollte man sich auf jeden Fall einmal ansehen. Im PI Store sind einige interessante Projekte wie etwa der Open Arena Port für die ARM-CPU. Zudem wird hier kostenlos die sonst teure Software Wolfram Mathematica mitgeliefert, die wohl einen Blick wert ist. Minecraft PI ist hingegen eine frühe Alpha und weniger interessant.

Für den Einsatz als reiner Server ohne die sonst in Raspian enthaltenen Spielereien habe ich Gefallen an Minibian gefunden. Hier sind nur die nötigsten Programme enthalten in einem gerade mal 500 MB großen Image. Es basiert auf dem Raspian-System und ist somit vollständig kompatibel dazu. Anders als andere abgespeckte Raspian-Derivate wurde dieses von Grund auf neu zusammengestellt und beinhaltet somit erfreulicherweise auch keine Altlasten – wir wissen ja, wie unsauber ein „apt-get remove“ teilweise arbeitet.

Achtung vor dem schlechten Audioausgang

In den Testberichten, die ich vor dem Kauf natürlich fleißig gelesen habe, kam als großer Minus-Punkt lediglich die langsame Netzwerk-Schnittstelle zur Sprache. Dass aber auch die Audio-Qualität des 3,5mm-Klinkensteckers wirklich miserabel ist und in Foren deshalb zum Kauf einer zusätzlichen USB-Soundkarte geraten wird, erfährt man erst, wenn man genau danach sucht.

Wenn der geplante Einsatszweck also ein Mediencenter (z.B. XMBC oder OpenELEC) sein sollte, empfehle ich dringend so eine USB-Soundkarte am Besten gleich mitzubestellen. Das spart Zeit.

Vorsicht vor dem rpi-update

Ich hatte direkt nach der Installation die Firmware mit dem Tool „rpi-update“ aktualisiert, weil ich das von neuen Rechnern so gewohnt bin. Die ist allerdings nicht auf dem RasPi selber, sondern wird von der SD Karte geladen. Bei Verwendung einer aktuellen Distribution ist so ein Update also nicht erforderlich.

In meinem Fall hatte ich danach die Schwierigkeit, dass mein System nicht mehr rebooten wollte. Ich musste immer das Netzteil ziehen, weil das System sich beim Runterfahren aufgehangen hat.

Empfehlenswerte Software für den Raspberry

Streamripper zur Aufnahme von Webradios

Ich habe früher für so etwas meine stromhungrige Gaming-Maschine über Nacht angelassen. Das kann der RasPi viel geldsparender für mich erledigen.

Apache Ampache als Spotify-Ersatz

Da mich Subsonic wegen seiner veralteten, trägen Oberfläche (= der RasPi ist hier überfordert) und Sonerezh in seinem jungen Stadium aufgrund seiner Feature-Armut nicht überzeugen konnten, fiel die Wahl auf das kürzlich wiederbelebte und frisch aufgeräumte Apache Ampache – um das zu streamen, was der Streamripper aus den Webradios aufgenommen hat. In dieser Kombination ist immer neue Musik vorhanden, durch die ich so browsen kann – so wird ein Schuh daraus. 🙂

Seafile als OwnCloud/Dropbox/Copy-Alternative

Während OwnCloud bei Performance und der fehlerhaften Synchronisations-Logik (bezogen auf den Desktop Client) einfach nicht überzeugen kann, setze ich auf meinen Servern seit einigen Monaten zur Sicherung und Distribution meiner privaten Daten einen Seafile ein und bin damit sehr zufrieden. Auch auf dem Raspberry hat der Service hier eine gute Performance.

Der RPi-Monitor zur Überwachung

Ich habe auf dem Gerät zunächst die üblichen Monitoring-Tools Nagios, Cacti und Munin ausprobiert, da ich ursprünglich neben dem RPi selbst noch mein Netzwerk mit im Auge behalten wollte. Diese scheinen aber schon ziemlich in die Jahre gekommen zu sein und hier bin ich nicht zu einem brauchbaren Charting gekommen. Dafür gibt es dankbarerweise das Projekt „RPi-Monitor“, welches in einer schicken Weboberfläche von Live-Status bis Statistiken wirklich keinen Wunsch übrig lässt. Wer seinen RasPi als Server einsetzt, sollte dies nicht auslassen. 🙂

Benchmarks & Stromverbrauch

Die Performance ist als Webserver nicht ausreichend. Für einen Server, der nicht im Internet erreichbar sein soll und keine aufwändigen PHP-Anwendungen bedienen muss, dürfte es aber gehen.

Ich habe mich in einem anderen Beitrag am Overclocking des RasPi versucht.

Das Raspberry Pi Dilemma

Ich hatte auch über den Einsatz als Firewall nachgedacht, was zur Ausfilterung von Trackern (Stichwort „Ghostery“) eine feine Sache wäre. Allerdings ist der auch beim neuen Modell nur über USB angebundene Netzwerk-Port dafür zu schwach und dann bräuchte man dazu auch noch einen zweiten USB-LAN-Port, der sich mit allen anderen Geräten die Bandbreite teilt. Hier bin ich einer Meinung mit den IPFire-Machern, die  deshalb leider sogar eine Portierung ihrer IPFire-Raspberry-Version auf den neuen Raspberry ganz ausschließen (siehe Forum).

Fazit

So richtig überzeugt hat mich der RasPi nicht wirklich. Er ist eben halt doch mehr ein Spielzeug und die Zielgruppe sind eindeutig Schulen mit niedrigem Budget und Bastler, die mit der GPIO-Schnittstelle großartige Projekte realisieren können. Das Ziel des Projekts ist ganz offensichtlich nicht, möglichst günstige Server-Hardware anzubieten und die RasPis werden somit auch kaum den VServer-/Hosting-Markt kaputt machen – schon alleine wegen der schlechten Latenz von privaten DSL-Anschlüssen.

Für leistungshungrige Web-Anwendungen wie einen WordPress-Blog oder gar eine Foto-Seite basierend auf Koken ist auch der neue RasPi 2 zu schwach. Hierfür werde ich auch in Zukunft noch leistungsstarke VServer wie die von Linevast benötigen. Die Anschaffungskosten des neuen RasPi mit Gehäuse und Netzteil lagen bei mir um die 70€. Dafür bekommt man bei Linevast zwei Jahre Hosting (also 35€/Jahr) – und das auf einer vielfach stärkeren Maschine.